
Streit um das Deutschlandticket und die Verteilung von Gemeindemitteln im Lindlarer Gemeinderat
In der Sitzung des Lindlarer Rats zum Haushalt gab es eine interessante Debatte über die finanzielle Prioritätensetzung. Ein Antrag der Grünen zur Erhöhung des Zuschusses für das Deutschlandticket für Jugendliche wurde abgelehnt – während zeitgleich die Ausgaben für Marketing und Tourismusförderung aufgestockt wurden.
Die Gegenüberstellung könnte kaum anschaulicher sein: Auf der einen Seite stehen junge Lindlarerinnen und Lindlarer, deren Mobilität im ländlichen Raum durch bezahlbare ÖPNV-Angebote gestärkt werden sollte. Auf der anderen Seite investiert die Gemeinde verstärkt in das Marketing für Auswärtige und Erholungssuchende. Für Die Grünen ist dies ein falsches Signal an die kommende Generation dar.
„Fischerhut gegen Baggyhose“: Scharfe Kritik der Grünen
In seiner Haushaltsrede spitzte Grünen-Fraktionssprecher Patrick Heuwes den Konflikt prägnant zu. Er kritisierte die Entscheidung der Ratsmehrheit aus CDU, FDP und BSW scharf und hinterfragte die Verteilungsgerechtigkeit:
„Mehr Respekt für Auswärtige in Funktionskleidung und Fischerhut statt für unsere jungen Menschen in Baggyhosen und Basecap? Schade.“
Besonders enttäuscht zeigte sich die Fraktion darüber, dass auch BSW und Linke dem Antrag der Grünen nicht folgten, obwohl sich deren Vertreter im Wahlkampf und bei Podiumsdiskussionen noch für eine stärkere Unterstützung der Jugend und eine Entlastung bei den Ticketpreisen ausgesprochen hatten.
Um den Kollaps der Gemeindefinanzen abzuwenden, beschloss der Rat im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts deutliche Steuererhöhungen. Die Grundsteuer B soll schrittweise bis 2031 auf stolze 1.491 Prozent steigen. Während die Ratsmehrheit betont, diese Schritte seien alternativlos, um die Handlungsfähigkeit zu wahren, verdeutlicht die Debatte um das Deutschlandticket, wie hart im Detail um Ausgabenprioritäten gerungen wird.

